Category Archives: Geen categorie

Marcel Broodthaers – Departement des Aigles

Am Ende drehte Marcel Broodthaers Leben eine letzte Schleife.
Er starb an seinem Geburtstag.
Marcel Broodthaers
In seiner Kunst verbinden sich Skepsis und Eleganz zu leise schleppender Melancholie. In den Pausen, in den Leerstellen und Schwarzbildern entsteht ein charmant komisches Universum – Raum für das freie Kreisen des Adlers.

This slideshow requires JavaScript.

Am 15. Juli 1955, vor 60 Jahren öffnete die Internationale Kunstausstellung im Museum Fridericianum ihre Tore. Nach der Verfolgung der Avantgarde durch die Nationalsozialisten war die Ausstellung für viele Besucher die erste Möglichkeit, moderne Kunst kennen zu lernen. In diesen Tagen feiert Kassel das 60jährige Jubiläum mit einem Symposion, einem Festival und einer großen Ausstellung im Fridericianum. Sie ist einem der wichtigsten europäischen Künstler des 20. Jahrhunderts gewidmet. Der mehrsprachige Belgier Marcel Broodthaers arbeitete erst als Dichter und Buchhändler, ehe er beschloss bildender Künstler zu werden.

Audio herunterladen (3,68 MB | mp3)

“Schatten, Sonne, Wolken, Film2 steht in Schreibschrift an den Wänden des Wohnzimmers, das Marcel Broodthaers aus Sperrholz maßstabgetreu nachgebildet hat, mitsamt Kaminsims und Stuckdecke. In diesem Zimmer in der Rue de la Pépinière Nr. 30 in Brüssel begann Marcel Broodthaers sein Jahrhundertprojekt, den Gegenentwurf zu einem Museum, das Musée d’Art Moderne Departement des Aigles. Mit der Salle Blanche, der Nachbildung des Entstehungsortes, endet Broodthaers Werk. Die betörende Retrospektive des Kasseler Fridericianum führt die Besucher durch die vielen Schleifen in der Kunst und im Leben von Marcel Broodthaers. Für Susanne Pfeffer, die Leiterin des Fridericianum gehört er zu den wichtigsten documenta-Künstlern, weil er den gesamten Museumsbetrieb hinterfragt.

“Marcel Broodthaers hat auch ganz stark thematisiert, was ist eigentlich eine Ausstellung, was zeigt man da, was sieht, was denkt ein Besucher, was ist ein Museum. Was bedeutet das, wenn ich in ein Museum komme und da stehen Palmen in diesem Museum. Oder es ist ein Wintergarten und ich zeige erst mal eine Ausstellung mit einem Tier. Überhaupt diese Differenz von Kultur und und diese beiden Konstrukte in unserer Wahrnehmung.” Susanne Pfeffer

“Großer Muscheltopf” (1966) des belgischen Künstlers Marcel Broodthaers am 16.07.2015 im Fridericianum in Kassel (Hessen)

“Auch ich frage mich, ob ich nicht etwas verkaufen und in meinem Leben Erfolg haben könnte”, schrieb Marcel Broodthaers 1964 ironisch. Nach zwanzig Jahren als Dichter, Buchhändler und Journalist gipste er für seine erste Skulptur seine Schriften ein und arbeitete fortan als bildender Künstler. Als 1968 andere Künstler das Palais des Beaux Art in Brüssel besetzten, gründete Broodthaers in seiner Wohnung sein eigenes Museum – Departement des Aigles.

“Broodthaers hat von Anfang an sein Museum das sogenannte Adlermuseum genannt. Da ist wie bei vielen seiner Arbeiten wichtig, dass der Adler auf der einen Seite ein Tier ist. Aber natürlich geht es um die Konnotation dieses Tieres und die Metapher. Wenn ich von einem Adler spreche oder wenn ich im Bundestag sitze und diesen Adler sehe, dann hat das mit dem Adler als Tier nur noch wenig zu tun, sondern es geht um den Adler als Machtpräsentation.” Susanne Pfeffer

In der aktuellen Ausstellung ist jetzt auch die Werbeabteilung des Adlermuseums zu sehen, mit der Broodthaers zum ersten Mal 1972 bei der documenta auftrat und auf seine zeitgleiche Ausstellung in Düsseldorf mit über fünfhundert Adlerdarstellungen aufmerksam machte. Die section publicité wirft Adlerbilder aus der Werbung an die Wand, Adler auf Biergläsern, Autokühlern, in Firmenlogos.

Fotos, Filme, alte Stiche, Palmen, dazu das Rattern der Filmprojektoren und immer wieder kleine Verbeugungen vor dem belgischen Surrealisten René Magritte. In Kassel können sich Besucher  verlieren in den labyrinthischen Gedankenräumen, die präzise und poetisch die Unterschiede zwischen Worten, Klängen, Bildern und Bedeutungen aufzeigen. In einem riesigen Topf kochen Miesmuscheln über, das belgische Nationalgericht. Ein winziges Büchlein trägt den Titel Atlas und stellt herkömmliche Weltkarten auf den Kopf. Eine Landkarte zeigt die Grenzen der Utopie. Noch heute staunt Maria Gilissen-Broodthaers über die Produktivität ihres Mannes.

“Er hat immer gearbeitet, aber man konnte es nicht sehen. Er hat viel am Tisch gesessen auf dem Stuhl gesessen und man konnte nicht richtig sehen, daß er arbeitet. Aber die unglaubliche Zahl der Arbeiten und auf jeder Ebene, Film, Kunstwerke, diese vier Jahre des Museums. Ich frage mich heute noch, wie hat er das geschafft. Und dann war er auch noch die letzten Jahre gesundheitlich nicht so gut dran.” Maria Gilissen-Brodthaers

The Très Riches Heures du Duc de Berry

This slideshow requires JavaScript.

The Très Riches Heures du Duc de Berry, or Très Riches Heures, is the most famous and possibly the best surviving example of French Gothic manuscript illumination, showing the late International Gothic phase of the style. It is a book of hours: a collection of prayers to be said at the canonical hours. It was created between c. 1412 and 1416 for the extravagant royal bibliophile and patron John, Duke of Berry, by the Limbourg brothers.[1] When the three painters and their sponsor died in 1416, possibly victims of plague, the manuscript was left unfinished. It was further embellished in the 1440s by an anonymous painter, who many art historians believe was Barthélemy d’Eyck. In 1485-1489, it was brought to its present state by the painter Jean Colombe on behalf of the Duke of Savoy. Acquired by the Duc d’Aumale in 1856, the book is now MS 65 in the Musée Condé, Chantilly, France.

Consisting of a total of 206 leaves of very fine quality parchment,[1] 30 cm in height by 21.5 cm in width, the manuscript contains 66 large miniatures and 65 small. The design of the book, which is long and complex, has undergone many changes and reversals. Many artists contributed to its miniatures, calligraphy, initials, and marginal decorations, but determining their precise number and identity remains a matter of debate. Painted largely by artists from the Low Countries, often using rare and costly pigments and gold,[2] and with an unusually large number of illustrations, the book is one of the most lavish late medieval illuminated manuscripts.

After three centuries in obscurity, the Très Riches Heures gained wide recognition in the late nineteenth and twentieth centuries, despite having only very limited public exposure at the Musée Condé. Its miniatures helped to shape an ideal image of the Middle Ages in the collective imagination, often being interpreted to serve political and nationalist agendas.[3] This is particularly true for the calendar images, which are the most commonly reproduced. They offer vivid representations of peasants performing agricultural work as well as aristocrats in formal attire, against a background of remarkable medieval architecture.

Our revels now are ended

KDSC_0078

“These our actors,
As I foretold you, were all spirits and
Are melted into air, into thin air:
And, like the baseless fabric of this vision,
The cloud-capp’d towers, the gorgeous palaces,
The solemn temples, the great globe itself,
Yea, all which it inherit, shall dissolve
And, like this insubstantial pageant faded,
Leave not a rack behind. We are such stuff
As dreams are made on, and our little life
Is rounded with a sleep.”

William Shakespeare, The Tempest